Aktueller Hinweis

Die Bewerbungsphase für den Gender Studies Prize 2022 hat begonnen. Bewerbungen sind bis zum 01.01.2023 möglich!

Gender Studies Prize

Um die Sichtbarkeit der Geschlechterforschung an der Universität Bonn zu fördern, vergibt das Zentrale Gleichstellungsbüro den Gender Studies Prize für herausragende Abschlussarbeiten und Dissertationen, die sich inhaltlich oder methodisch mit einer Fragestellung aus den Gender und/oder Queer Studies auseinandersetzen.

Ein pinkfarbenes Megafon vor gelbem Hintergrund mit einer weißen Sprechblase. Leicht versetzt auf der Sprachblase steht: Gender Studies Prize
© AdobeStock

Der Gender Studies Prize 2022

Die Bewerbungsphase für den Gender Studies Prize 2022 hat begonnen. Informationen zum Preis und zur Bewerbung finden Sie auf dieser Seite.

Über den Preis

Das Gleichstellungsbüro vergibt den Gender Studies Prize für herausragende Abschlussarbeiten und Dissertationen, die sich inhaltlich oder methodisch mit einer Fragestellung aus den Gender und/oder Queer Studies auseinandersetzen.

Um den Preis bewerben können sich Absolvent*innen und Promovierte aller Fakultäten und Fachdisziplinen und aller Abschlüsse der Universität.

Der Abschluss muss an der Universität Bonn erworben worden sein und sollte nicht länger als ein Jahr zurückliegen. Bewerben können sich demnach Absolvent*innen, die ihren Abschluss nach dem 01.01.2022 erworben haben.

Preiswürdige Arbeiten

Die Arbeit sollte mindestens mit „gut“ bewertet worden sein. Die folgenden Bewertungskriterien finden für die Preisvergabe besondere Berücksichtigung:

  • Originalität
  • Relevanz des Themas für die Gender und/oder Queer Studies
  • Methodische und theoretische Kompetenz (Anwendung und Problematisierung)
  • Klare und stringente Argumentation
  • Sprachliche Genauigkeit und Präzision in der Darstellung

Die Preisträger*innen werden von einer Auswahlkommission aus Wissenschaftler*innen der Universität Bonn ermittelt.

Bewerbung

Zur Bewerbung einzureichen sind eine digitale Version der Arbeit (PDF-Format), ein Abstract der Arbeit, ein Befürwortungsschreiben des*der Erstgutachter*in, das Abschlusszeugnis oder eine äquivalente Bescheinigung des Prüfungsamtes sowie ein tabellarischer Lebenslauf der Bewerber*innen.

Die vollständigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte per E-Mail an das Gleichstellungsbüro der Universität Bonn.

Nur Bewerbungen, die bis zum 01.01.2023 im Gleichstellungsbüro eingegangen sind, können für die Begutachtung berücksichtigt werden.

Preisvergabe

Der Preis ist mit 500 € für die beste Bachelor-Arbeit, für alle anderen Abschlüsse mit 700 € und für die beste Doktorarbeit mit 1000 € dotiert und wird aus Gleichstellungsmitteln finanziert. Es besteht kein Anspruch auf die Vergabe des Preises in allen Kategorien, sofern in einer Kategorie nur Arbeiten eingereicht wurden, die die o.g. Kriterien nicht erfüllen.

Die Vergabe des Preises an die Bewerber*innen aus dem Jahr 2022 wird voraussichtlich im Rahmen einer Feierlichkeit des Gleichstellungsbüros im Frühjahr 2023 stattfinden.

Es ist geplant, Abstracts der Arbeiten der Preisträger*innen unter Nennung des Namens auf den Internetseiten zu veröffentlichen.


Die Preisträger*innen des Gender Studies Prize 2021

Der Gender Studies Prize wird für herausragende Abschlussarbeiten und Dissertationen vergeben. - V.l.n.r.: Prof. Dr. Andreas Krebs, Marina Lynn Krambrich, Benedikt Johannes Gnosa, Joline Sophie Kretschmer und Prof. Dr. Sabine Sielke.
© Uni Bonn/Barbara Frommann V.l.n.r.: Prof. Dr. Andreas Krebs, Marina Lynn Krambrich, Benedikt Johannes Gnosa, Joline Sophie Kretschmer und Prof. Dr. Sabine Sielke

Bei einer feierlichen Preisvergabe im ehemaligen Fritz-Café im Hauptgebäude der Universität Bonn wurde am 29.04.2022 der Gender Studies Prize an folgende drei Bachelor-Absolvent*innen der Uni Bonn vergeben:

  • Joline Kretschmer mit ihrer Abschlussarbeit im Fach Philosophie zum Thema „Gender as deeply diverse. How to dissolve the gender category dilemma.“
  • Benedikt Johannes Gnosa mit der Arbeit „Vestimentärer Geschlechterwechsel – Die verkleidete Herzogin Alheyt und die Grenzen der Männlichkeit im Herzog Herpin“ im Fach Germanistik.
  • Marina Krambrich mit der Arbeit „Das Spiel der Philosophie. Eine empirische Untersuchung geschlechtsspezifischer Narrative von der akademischen Philosophie unter Studierenden in Bonn“ – ebenfalls im Fach Philosophie.

Abstracts der prämierten Arbeiten

Joline Kretschmer
Gender as deeply diverse. How to dissolve the gender category dilemma

Was „ist“ eine Frau (ein Mann; eine nicht-binäre Person, etc.)? Wenn man versucht, diese Frage zu beantworten, gerät man schnell in ein Dilemma. Einerseits wollen feministische Philosophinnen davon absehen, überhaupt Geschlechterkategorien zu formulieren, um nicht in einen Gendersolipsismus zu verfallen. Darunter versteht man die Tendenz, eine kleine Gruppe privilegierter Personen als repräsentativ für die gesamte Kategorie zu betrachten und dabei die weniger privilegierten Personen auszuschließen. Andererseits bedarf es in der feministischen Philosophie geschlechtsspezifischer Kategorien, um die damit verbundenen Unterdrückungsstrukturen thematisieren zu können. Im Laufe meiner Arbeit werde ich dieses Dilemma genauer untersuchen und seine Ursprünge sowie einige (Auf-)Lösungsversuche verschiedener Philosophinnen erörtern (darunter u.a. Elisabeth Spelman, Catharine MacKinnon, Naomi Zack, Talia Mai Bettcher, Sally Haslanger und Katharine Jenkins). Mein Ziel besteht hierbei jedoch nicht darin, eine bestimmten Ansatz als den richtige hervorzuheben, sondern vielmehr darin, aufzuzeigen, welche methodischen Ansätze generell empfehlenswert sind, bei dem Versuch, Geschlechterkategorien zu definieren, ohne in das oben beschriebene Dilemma zu geraten.

Benedikt Johannes Gnosa
Vestimentärer Geschlechterwechsel – Die verkleidete Herzogin Alheyt und die Grenzen der Männlichkeit im Herzog Herpin

Die binäre Konstruktion von Geschlechterrollen adliger Figuren in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters lässt sich in besonderem Maße anhand von Verkleidungsszenen analysieren, in denen sich Figuren als das jeweils andere Geschlecht ausgeben. Das
sogenannte Cross Dressing verlangt dabei neben der Verkleidung auch die Übernahme der Verhaltensweise des anderen Geschlechts. Im Konzeptbegriff der ‚Travestie‘ werden die germanistisch-mediävistischen Erkenntnisse aus der Auseinandersetzung mit den
Konzepten der Gender-Theorie und -Studies mit den Fragen nach der Wechselwirkung von Kleidung und Identität zusammengeführt. Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist die Figur der Herzogin Alheyt aus dem in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
entstandenen Herzog Herpin. An ihr wird aufgrund der umfassenden Beschreibung ihres Geschlechterwechsels deutlich vor Augen geführt, wie eine solche ‚Travestie‘ erzählerisch umgesetzt werden kann. Nachdem sie ungewollt von ihrem Mann getrennt wird, verbringt
sie weite Teile der Handlung in männlicher Verkleidung und fungiert innerhalb der Erzählung in ihrer ‚männlichen‘ Idealität insbesondere als Spiegelfläche für ein maskulines Ritterideal. In Frauen- sowie insbesondere Männergestalt dient ihr Verhalten gerade nicht
dazu, neue Freiräume für das Agieren adliger Frauen zu erschließen, sondern wirft einen deutlichen Schatten auf die Unzulänglichkeiten der männlichen Figuren des Textes. Das Erzählen der ‚Travestie‘ einer weiblichen Figur wird explizit dazu genutzt, die Grenzen der
Männlichkeit auszuloten und ihr Ideal zu definieren. 

Marina Krambrich
Das Spiel der Philosophie. Eine empirische Untersuchung geschlechtsspezifischer Narrative von der akademischen Philosophie unter Studierenden in Bonn

Die vorliegende Arbeit thematisiert geschlechtsspezifische Disparitäten in den Narrativen von Studierenden im Verständnis der akademischen Philosophie in Bonn. Diese sollen mögliche
Erklärungsansätze für die Unterrepräsentation von weiblich gelesenen Personen in der akademischen
Philosophie liefern. Ziel ist es, herauszukristallisieren, wie sich während des Studiums Verhaltensweisen, Strukturen und Narrative unter Studierenden etablieren, wie sich
diese geschlechtsspezifisch unterscheiden und wie sich daraus ein Ungleichgewicht im Bestreiten des Studiums entwickelt. Zur Beantwortung dieser Frage werden sieben qualitativ von mir geführte Interviews mit Studierenden herangezogen, die mittels der empirischen Sozialforschung ausgewertet werden. Die Konzepte des Habitus und des symbolischen Kapitals nach Pierre Bourdieu, sowie das der epistemischen Gewalt aus der feministischen Theorie dienen dabei der theoretischen Einordnung. Die empirische Arbeit zeigt auf, wie das Spiel der Philosophie der interviewten Studierenden unterschiedliche Ausgänge zwischen den gelesenen Geschlechtern findet: das zentrale Motiv,
welches ich in den Narrativen der Frauen erkenne, ist das Streben nach Sichtbarkeit, Anerkennung, Erfolg und einer beruflichen Perspektive. Das steht im Kontrast zu den Männern, die sich diesem Motiv nicht bedienen (müssen). Ich sehe dies als relevant für das zentrale Problem der Unterrepräsentation von weiblich gelesenen Personen in der deutschen akademischen Philosophie an und es zeigt auf, wie im Kontext des Studiums und in Seminarräumen für mehr Gleichberechtigung zwischen verschiedenen Geschlechtern gesorgt werden muss.


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