Sie sind hier: Startseite Perspektive Wissenschaft Professorinnen Dr. Julia Stingl

Dr. Julia Stingl

Stingl

Professorin für Pharmakologie

Vizepräsidentin, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bonn

 

Julia Carolin Stingl (ehem. Kirchheiner) studierte Medizin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. In der Zeit von 1999-2004 absolvierte sie ihre Facharztweiterbildung Klinische Pharmakologie an der Charité in Berlin und habilitierte sich 2004 zum Thema Pharmakogenetische Optimierung der Arzneimitteltherapie. Im Jahr 2006 folgte sie einem Ruf auf die Professur für Klinische Pharmakologie an die Universität Ulm. 2012 wurde Sie Professorin für translationale Pharmakologie an der Universität Bonn (Thüringer Modell) und zugleich Leiterin der neuen Abteilung Forschung am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Seit Oktober 2014 ist Frau Stingl Vizepräsidentin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Seit über 15 Jahren beschäftigt sie sich mit Forschung zur Pharmakogenetik und Fragen zur Variabilität der Arzneimittelwirkung in der Bevölkerung, der Arzneimitteltherapiesicherheit und mit Patienten-adjustierter Dosierung von Arzneimitteln. Sie hat pharmakogenetisch basierte Dosierungsanpassungen für Anti­depressiva und Antipsychotika entwickelt, die der klinischen Anwendung pharmako­genetischer Diagnostik dienen und mittlerweile in internationalen Leitlinien Anwendung finden. Julia Stingl ist außerordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Mitglied der Pharmacogenomics Working Party der EMA und Mitglied der Faculty of 1000.

Instituts-Homepage 

Publikationen: Link zu Pubmed

 

Fragen zum akademischen Werdegang

Wie kam es zur Wahl Ihres Studienfachs?

Ich habe mich für das Medizinstudium entschieden, weil ich die Vorgänge in meinem Körper verstehen wollte, im Gesunden wir auch in der Entwicklung von Krankheiten. Daher waren für mich besonders die Fächer in der Vorklinik, wie Biochemie und Physiologie interessant; wenn es dann ans Lernen von Krankheitsdaten und Arzneimittelnebenwirkungen ging, hat mir das weniger Spaß gemacht. Dennoch habe ich mich für das Fach Pharmakologie entschieden, weil man anhand von Medikamentenwirkungen die Krankheitsgenese und Regulation des Körpers besonders gut verstehen kann. Und da sind gerade auch die Nebenwirkungen für das Verständnis ganz besonders wichtig. 

Warum haben Sie sich für die wissenschaftliche Laufbahn entschieden?

Die Freiheit in der Forschung, das tun zu dürfen, was einen am meisten interessiert, Fragen stellen zu dürfen und sie selbständig beantworten zu lernen, selbst in der Hand zu haben, mit wem man zusammenarbeitet, wo und welche Projekte man macht, ist ein unglaubliches Gut, welches die wissenschaftliche Laufbahn ermöglicht. Ich habe diese Freiheit und auch die Internationalität, die damit verbunden ist, immer sehr hoch geschätzt. Es verbindet gerade unter Frauen, überall in der Welt Kolleginnen zu haben, die in ähnlichen Situationen sind. Gerade für die Verbindung von Beruf und Familie habe ich die wissenschaftliche Laufbahn als überaus geeignet angesehen, da hier die intrinsische Motivation zu Höchstleistungen und Effizienz führt und man wenig durch äußere Rahmenbedingungen eingeschränkt wird.

Gab es prägende Erfahrungen oder Vorbilder auf diesem Weg?

Es war in der Tat eher in der Forschung und nicht so sehr in der klinischen Tätigkeit, in der ich auch persönliche Vorbilder kennengelernt habe. Dies waren insbesondere Frauen – meist in anderen Ländern – die ganz selbstverständlich ihren Platz in der Wissenschaftscommunity eingenommen haben und ihre ganz eigene Persönlichkeit mit ihrem Fach überzeugend leben konnten, ohne sich verstellen zu müssen. In der Forschung habe ich die authentischsten Persönlichkeiten kennengelernt, die die Welt bereichern und ihr Gebiet wirklich weitergebracht haben. 

 

Empfehlungen für Nachwuchswissenschaftlerinnen

Haben Sie Mut, einen eigenen Weg zu gehen. Die Forschung und Wissenschaft bietet die Möglichkeit vieler individueller Wege und Lebensgestaltungen. Wichtig ist, dass Sie sich nicht von der alleinigen Frage „Was muss ich tun?“ leiten lassen, sondern ihre eigenen Fragen stellen und zur Beantwortung bringen. 

 

Stand: 21.03.2016

Artikelaktionen