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Dr. Sabine Sielke

Sielke


Professorin für Literatur und Kultur Nordamerikas


Sabine Sielke ist Inhaberin des Lehrstuhls für Literatur- und Kulturwissenschaft Nordamerikas und Leiterin des Nordamerikastudienprogramms, des German-Canadian Centre und des Forum Frauen- und Geschlechterforschung sowie Stellvertretende Sprecherin und Mitbegründer des Zentrums für Kulturwissenschaft|Cultural Studies der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Associate am W. E. B. Du Bois Institute for African and American Research der Harvard University und Mitglied des Advisory Board, Center for Modernist Studies (CMS), Zhejiang University in Hangzhou, China. 

Zu ihren Veröffentlichungen gehören Reading Rape (Princeton 2002), Fashioning the Female Subject (Ann Arbor 1997), die Reihe Transcription, die (Ko-)Editionen Orient and Orientalism in US-American Poetry and Poetics (2009), The Body as Interface (2007), Gender Talks (2006), 18x15: amerikanische post:moderne (2003), Der 11. September 2001 (2002), Making America (2001), Engendering Manhood (1998), Gender Matters (1997) und Theory in Practice (1994) sowie über 70 Essays zu Lyrik und Poetik, Literatur und Kultur der Moderne, Literatur- und Kulturtheorie, Gender Studies, African American Studies, Cultural Studies, Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und Populärkultur. Ihre aktuellen Forschungsprojekte fokussieren Fragestellungen an den Schnittstellen von Kultur- und Naturwissenschaften.  

Mehr zu wissenschaftlichem Werdegang, Forschungsinteressen und Veröffentlichungen:
http://www.nas.uni-bonn.de/people/faculty-1/sabine-sielke

 

Biografisches

Mein Abitur in der Tasche, hatte ich drei Berufsbilder fest im Blick: Stewardess, Schneiderin und Lehrerin. Dass ich Professorin wurde, war nie geplant, sondern Resultat einer Reihe von Entscheidungen, die ich nie bereut habe. Stewardess fiel flach – ein Umzug von Berlin zum Ausbildungsort Frankfurt kam nicht in Frage. Die Schneiderin-Lehrstelle war bereits zugesagt, als ich es mir anders überlegte: Statt zwei Jahre lang Fusseln aufzufegen, wollte ich doch noch etwas lernen. Also studierte ich Englisch (mit Schwerpunkt Nordamerikastudien) und Biologie an der Freien Universität Berlin. Berufsziel: Studienrätin. 

Die Uni war ein Schock. In der Schule stets in den ersten Reihen, fand ich mich nun – so meine Selbstwahrnehmung – im diffusen Mittelfeld wieder. Hinzu kam das Gefühl, zwischen Literatur- und Naturwissenschaft in zwei unvereinbaren Welten zu wandeln. Gleichzeitig faszinierten mich Können und Charisma meines akademischen Lehrers Heinz Ickstadt. In seinen Seminaren zur amerikanischen Lyrik oder Postmoderne erlebten wir Literaturwissenschaft live als passionierte Profession. Ein Jahr als Stipendiatin an der Duke University beförderte meine Leidenschaft für die American Studies.

Lange vor dem Ersten Staatsexamen bekam ich vom Außenamt der FU ein interessantes Stellenangebot und von Heinz Ickstadt das Angebot zur Promotion. Promovieren? Ich selbst wäre nie drauf gekommen, entschloss mich dann aber, mein ursprüngliches Berufsziel vorerst nicht weiterzuverfolgen, sondern stattdessen meinem Interesse an Lyrik und Literaturtheorie nachzugehen und – aufgrund der Unwägbarkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn – beruflich zweigleisig zu fahren.

Als ich mich neben meiner Berufstätigkeit im Bereich internationaler kultureller Austausch quälte, meiner Doktorarbeit Struktur zu geben, habe ich oft geflucht, mich auf diesen Weg begeben zu haben und träumte versonnen vom süßen Leben als erfolgreiche Modedesignerin. Gleichzeitig erlebte ich das Forschen, Schreiben und Lehren als immer wieder neue Herausforderung und mir wurde klar, dass Kreativität sich nicht auf das Entwerfen ausgefallener Schnittmuster beschränken muss. Ohne durch Stipendien finanzierte Auszeiten wäre das Meisterstück allerdings nicht gelungen. Und nach der Promotion was eines klar: Habilitieren wollte ich nur auf einer dafür vorgesehenen wissenschaftlichen Stelle und mit Stipendien.  

Ermunterung und Support gab es von Heinz Ickstadt, pragmatischen Rat und Theorie-Crash-Kurse von meiner Zweitbetreuerin Evelyne Keitel und viel intellektuellen und emotionalen Beistand von anderen Promovend(inn)en, guten Freund(inn)en und vor allem von meinem Partner Edgar Muschketat. Als Hürde habe ich bisweilen nur die anhaltenden Vorbehalte meiner Mutter empfunden. Überzeugt das Richtige zu tun, haben mich die Vielseitigkeit und die Freiheit meiner Arbeit als Wissenschaftlerin und Hochschuldozentin, der intensive Austausch mit klugen Menschen, sowie die Erfahrung, durch Engagement viel bewegen zu können.

Hochschulprofessorin ist ein rundum spannender Beruf, doch wer sich dazu berufen fühlt, sollte wissen, worauf sie sich einlässt. Intelligenz schadet nicht, Neugier und Durchhaltevermögen sind unabdinglich. Frauen bringen – aller Frauenförderrhetorik zum Trotz – die besten Voraussetzungen für die Tätigkeit in Forschung und Lehre mit. Wir sollten im alltäglichen Trubel  aber nicht aus dem Auge verlieren, dass Netzwerken – wenn nötig – nur mit Netzwerken begegnet werden kann.
(2006) 

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