Sie sind hier: Startseite Perspektive Wissenschaft Professorinnen Dr. Barbara Reichert

Dr. Barbara Reichert

Reichert

Professorin für Angewandte Geologie


G
eboren 09.01.1958

Beruflicher Werdegang

1979–1986 Diplomstudium Geologie an der Fridericiana Universität (TH) Karlsruhe, abgeschlossen mit einer Diplom- arbeit zur „Geologie und Hydrogeologie des Poljes Alea-Skotini Griechenland“.
1986–1997 wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Angewandte Geologie der Universität Karlsruhe im Bereich Hydrogeologie.
1991 Promotion über „Anwendung natürlicher und künstlicher Tracer zur Abschätzung des Gefährdungspotentials bei der Wassergewinnung durch Uferfiltration“. 1992–1993 einjähriges Forschungsstipendium am Waterloo Center of Groundwater Research, University, Canada, mit Themenschwerpunkt Migrationsverhalten organischer Schadstoffe.
1998 Habilitation an der Fridericiana Universität (TH) Karlsruhe mit einer Arbeit zum Thema „Strömungs- und Transportvorgänge in komplexen Karstgebieten an Beispielen aus Slowenien und der Türkei“.
4. August 1998 Ernennung zur C3-Professorin für Angewandte Geologie an der Universität Bonn.

Hinter der dürren Beschreibung des beruflichen Werdegangs steckt eine ausgeprägte Neugierde, alles zu hinterfragen, zu verstehen, Ursachen zu erkennen sowie ein bereits in jungen Jahren stark entwickeltes Bedürfnis nach Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Dies, gepaart mit eher naturwissenschaftlich geprägten Talenten, führte schon in der Schule dazu, dass trotz der Freude an geisteswissenschaftlichen Fächern die spätere Berufstätigkeit im Bereich der Naturwissenschaften gesucht wurde, ohne jedoch Vorlieben für einzelne Disziplinen zu entwickeln. Als ein Interessengebiet hat sich in den letzten Schuljahren, angeregt durch viele populärwissenschaftliche Bücher, die Geologie entwickelt. Da ich mir damals aber nicht vorstellen konnte, dieses „Hobby“ zu meinem Berufsziel zu machen, das System Erde mich aber unheimlich faszinierte, fing ich mit Chemie an. Sehr schnell wurde mir bewusst, dass nur eine Disziplin mich nicht fesseln kann, eigentlich mir allein betrachtet kein Verständnis der komplexen Prozessabläufe auf und in der Erde liefert.

Schnuppervorlesungen in der Geologie begeisterten mich derartig, dass die Entscheidung, mein Hobby zum Beruf zu machen, naheliegend war. Gerade in den geologischen Anfängervorlesungen wurde mir bewusst, dass nur ein breites naturwissenschaftliches Grundstudium mit Mathematik, Physik und Chemie dabei hilft, das System Erde zu erforschen, die Ressourcen, hier insbesondere das Wasser, zu nutzen und den Lebensraum zu erhalten. Entsprechend breit habe ich dann auch mein Studium ausgelegt.

Wie so oft habe ich auch während des Studiums festgestellt, dass jede Frage, für die ich eine Lösung gefunden habe, eine Fülle von neuen Fragen aufwirft. Etwas, was mich sehr befriedigt und stets wach hält und letztendlich zum Einschlagen einer wissenschaftlichen Laufbahn geführt hat. Unterstützt wurde das Ganze noch durch die Möglichkeit, bei allen drei Qualifikationsarbeiten sowie zahlreichen Projekten im Rahmen internationaler und interdisziplinärer Arbeitsgruppen mit zu forschen. Gerade der Austausch, nicht nur fachlich, auch persönlich, mit anderen Wissenschaftlern und die Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen sind ein ganz wichtiger Aspekt einer wissenschaftlichen Laufbahn. Dies ist auch eine hervorragende Basis für die Verknüpfung zwischen Forschung und Lehre. Gerade die Arbeit mit Studenten ist eine sehr spannende und befriedigende Facette einer universitären Laufbahn.

Mit dem Exotenstatus als Frau in einer nach wie vor männlich dominierten Berufssparte habe ich vergleichsweise wenig Probleme, Vor- und Nachteile balancieren sich mehr oder weniger aus. Maßgeblich beeinflusst wurde dies durch meinen Doktorvater, späteren Mentor der Habilitation und langjährigen Chef, Prof. Dr. Heinz Hötzl, der sowohl weibliche als auch männliche Mitarbeiter in gleicher Weise fordert und fördert. Seine Bereitschaft, den Mitarbeitern einen großen wissenschaftlichen Freiraum mit der entsprechenden Eigenverantwortung zu gewähren und diese frühzeitig in die verschiedenen internationalen und interdisziplinären Projekte mit einzubinden, hat meiner Laufbahn sehr gut getan.

Die Entscheidung für Karriere und gegen Kinder habe ich eigentlich nie bewusst getroffen. Aufgewachsen in einer glücklichen Familie als eins von fünf Kindern, mit einer Mutter, die in ihren Kindern ihre Erfüllung gefunden hat, halte ich es persönlich für sehr schwierig, wenn auch nicht unmöglich, Karriere und Kinder zu vereinbaren. Insgesamt betrachtet war der lange und unsichere Weg zum Professor immer – vor allem wissenschaftlich – spannend und hat den hohen persönlichen Einsatz total gerechtfertigt. Kaum ein anderer Beruf kann soviel Vielfalt bieten.

Artikelaktionen