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Dr. Christa Müller

 

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Professorin für Pharmazeutische Chemie 

Leiterin des Bereichs Pharmazeutische Chemie I
am Pharmazeutischen Institut

Biographische Daten

Geboren am 04. April 1960 in Rottweil am Neckar als zweites von drei Kindern. 
Vater: Georg Müller, Straßenbaumeister mit eigener Baufirma 
Mutter: Käthe Müller, Haus- und Geschäftsfrau

Schulbildung

1967–1970
Grundschule in Zimmern-Stetten ob Rottweil
1970–1979
Droste-Hülshoff-Gymnasium Rottweil (Allgemeine Hochschulreife)

Studium

1979/80 
Studium der Rhetorik, Pädagogik und Ethnologie an der Universität Tübingen
1980–1983 
Studium der Pharmazie an der Universität Tübingen

Akademische Grade

1988 
Promotion zum Dr. rer. nat., Universität Tübingen ("Synthese und Eigenschaften chiraler Amphiphile und liposomaler Prodrugs mit unsymmetrisch substituierter Disulfidbrücke") bei Prof. Dr. H. J. Roth, Pharmazeutische Chemie

1994 
Habilitation für das Fach Pharmazeutische Chemie, Fakultät für Chemie und Pharmazie, Universität Tübingen ("Adenosinrezeptor-Antagonisten: Synthese, in-vitro-Testung, Struktur-Wirkungs-Beziehungen")

Beruflicher Werdegang
Mitgliedschaft in Fachorganisationen (Auswahl)

Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG)
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GdCh)
American Chemical Society (ACS)
International Society for Heterocyclic Chemistry (ISHC)

Tätigkeit als wissenschaftliche Gutachterin 
(Auswahl)

u.a. für DFG, EU, Schweizer, Australian, Finnish, Irish, Hongkong Research Councils, German-Israeli Science Foundation, NATO, Humboldt-Stiftung, Deutsche Krebshilfe;

für zahlreiche wissenschaftliche Journale aus den Bereichen Chemie, Pharmazie, Pharmakologie, Biochemie; sehr häufig für J. Med. Chem. (international das wichtigste Journal für Medizinische Chemie).

Editorische Tätigkeit und Organisation von 
Konferenzen (Auswahl)

u.a. Mitglied der Editorial Boards der Zeitschriften Pharmacology & Therapeutics, Mini-Reviews in Medicinal Chemistry, Expert Opinion on Therapeutic Patents, Purinergic Signalling; Organisation verschiedener nationaler wissenschaftlicher Symposium und Konferenzen; Mitglied im Scientific Advisory Board diverser internationaler Konferenzen (u.a. Purines 2008 in Copenhagen; logP 2009 ETH Zürich; Purine Club Meeting 2009, Camerino).

Stipendien, Berufungen, Auszeichnungen (Auswahl)

Publikationen

180 wissenschaftliche Veröffentlichungen und Patente

Sonstiges

Die Hauptbeschäftigungen neben der Wissenschaft sind Lesen und, wenn Zeit bleibt, Museen, Musik, Kino, Theater, Reisen, Kochen und Sport sowie das Treffen mit Freunden, u.a. aus dem Rotary-Club Bonn-Museumsmeile.

Zur Studienfachwahl

Meine Interessen waren immer sehr breit gefächert, deshalb fiel mir die Wahl des Studienfachs schwer. Den Studienort Tübingen wählte ich aus privaten Gründen, weil mein Freund damals in Stuttgart studierte. Zunächst immatrikulierte ich mich für die Fächer Rhetorik, Pädagogik und Ethnologie, fühlte mich aber unterfordert und hatte ein schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber, die das Studium finanzierten. Die Chemie hatte mich schon immer fasziniert, die Pharmazie erschien mir vielseitiger, außerdem wäre ich als Apothekerin finanziell unabhängig. Ein zunächst geplantes Doppelstudium Pharmazie/Rhetorik wurde leider von Seiten der Pharmazie abgelehnt. Ich bin dann bei der Pharmazie geblieben, denn (fast) alles, womit man sich intensiv beschäftigt, macht auch Spaß. 

Die wissenschaftliche Laufbahn

Die Entscheidung, an der Universität zu bleiben, hängt zum einen mit meiner idealistischen Einstellung zusammen, zum anderen war zufällig eine Habilitationsstelle frei, die mir angeboten wurde. Zu der Zeit, als ich promovierte (1988), war es attraktiver und lukrativer, in die Industrie zu gehen, als eine wissenschaftliche Karriere an der Hochschule zu verfolgen. Das war sicherlich der Hauptgrund dafür, dass mir als Frau diese Möglichkeit damals geboten wurde. Gefördert wurde ich von Lehrerinnen in der Schule, die promoviert hatten und wichtige Vorbilder für mich waren. In der Hochschule wurde ich vor allem von Männern unterstützt – es gab ja auch keine Frauen in entsprechenden Positionen. Es waren vor allem ältere, erfahrene Männer, die die Frauen nicht mehr als Konkurrenz sehen mussten und die selbst Töchter hatten. Bisher habe ich für mich keine Möglichkeit gesehen, die Karriere mit Familie (Kindern) zu verknüpfen. Beides gleichzeitig zu verwirklichen ist aufgrund der äußeren Bedingungen in Deutschland im Moment sehr schwierig. Ich hoffe und glaube, dass das bei der nächsten Generation einfacher und besser wird.
Der Beruf “Wissenschaftlerin” ist anstrengend, aber auch aufregend, spannend und äußerst befriedigend.

Forschungsprofil

Pharmazie ist die Fachwissenschaft, die sich mit Arzneimittelforschung befasst. Sie gehört innerhalb der Naturwissenschaften zu den Life Sciences und bildet eine Brücke zur Medizin. Die Teildisziplin Pharmazeutische/Medizinische Chemie, welche ich mit meiner Professur vertrete, befasst sich mit den chemischen und biochemischen Aspekten biologisch aktiver Verbindungen (Wirkstoffe / Arzneistoffe). Sie beinhaltet die Entdeckung, Entwicklung, Synthese und Analyse von Wirkstoffen, die Aufklärung ihres Wirkungsmechanismus auf molekularer Ebene sowie die Untersuchung des Arzneistoff-Metabolismus, i.e. der Abbaureaktionen, denen ein Arzneistoff im Organismus unterworfen ist.

Meine recht grosse wissenschaftliche Arbeitsgruppe ist interdisziplinär ausgerichtet: Neben PharmazeutInnen (die naturgemäß in der Mehrzahl sind) arbeiten ChemikerInnen, LebensmittelchemikerInnen und BiologInnen, Molekulare BiomedizinerInnen und Life-Science-InformatikerInnen an einem zentralen Forschungsthema. Grundprinzip meiner Forschungsstrategie ist eine große methodische Breite, die von der chemischen Synthese über anspruchsvolle (bio)analytische und bioinformatische Methoden bis hin zur molekularen Pharmakologie und Molekularbiologie reicht, und zugleich eine scharfe thematische Fokussierung.

Die Forschungsthematik

Signale werden im Organismus auf zwei Arten weitergeleitet, zum einen elektrisch über Aktionspotentiale entlang der Nervenbahnen, zum anderen chemisch durch Signalmoleküle. Die chemische Signalübertragung wird z.B. an Schaltstellen (sogenannten Synapsen) zweier Nervenbahnen, an den Endorganen (z.B. Muskulatur) und bei der Zell-Zell-Kommunikation genutzt. Hierbei werden chemische Signalmoleküle, wie zum Beispiel das Adrenalin, ausgeschüttet bzw. freigesetzt. Diese Moleküle binden an bestimmte Rezeptoren, die in die Zellmembran integriert sind. Jede Zelle besitzt Hunderte verschiedener Rezeptoren in ihrer Zellmembran und bei jeder Zellart ist das Spektrum an Rezeptoren unterschiedlich; es ändert sich sogar je nach Zustand der Zelle, d. h. in krankem Gewebe „exprimieren“( bilden) die Zellen mehr oder auch weniger eines bestimmten Rezeptortyps als in gesundem Gewebe. Bindet ein Signalmolekül an einen bestimmten Rezeptor, so wird dieser „aktiviert“ und bewirkt das Auslösen eines Effektes im Zellinneren. In der Regel wird dadurch eine ganze Kaskade von Effekten ausgelöst. Viele Arzneistoffe vermitteln ihre Wirkung über eine Beeinflussung (Blockade oder Aktivierung) von bestimmten Membranrezeptoren. Bisher wird allerdings nur ein Bruchteil der vorhandenen Membranrezeptoren als Zielstrukturen („Targets“) für Arzneistoffe genutzt. Das humane Genomprojekt hat zu der Erkenntnis geführt, dass wesentlich mehr verschiedene Membranrezeptoren existieren, als bisher bekannt sind. Viele dieser neuentdeckten Rezeptoren sind bisher gar nicht oder kaum untersucht. Unsere Arbeitsgruppe befaßt sich mit einer bestimmten Klasse von Zellmembran-Rezeptoren, sogenannten 7-TM- bzw. G-Protein-gekoppelten Rezeptoren, welche durch ihre Struktur, bestehend aus einem Protein mit 7 transmembranalen Helices, charakterisiert sind. Wir interessieren uns für eine Untergruppe dieser 7-TM-Rezeptoren, die durch Purine und/oder Pyrimidine (wie Adenin, Adenosin, ATP, ADP, UTP, UDP) aktiviert werden. Darüber hinaus interessieren wir uns für membranständige Enzyme, die am extrazellulären Nucleotid-Metabolismus beteiligt sind, und dadurch die Konzentration der Purine und Pyrimidine und damit die Aktivierung der verschiedenen Rezeptoren steuern. Unsere Arbeiten auf diesen Gebieten reichen von Projekten zur reinen Grundlagenforschung bis hin zu angewandter, industrienaher Forschung, die direkt zur Entwicklung neuer Medikamente führen soll.

(Sept. 2009)

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