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Dr. Marion Gymnich

Gymnich


Professorin für
Anglistische Literatur- und Kulturwissenschaft 

Vita

Geboren 1968 in Köln

1987-1994 
Studium der Fächer Anglistik, Germanistik, Slavistik und VWL an der Universität zu Köln (Magisterstudiengang)

1995-2002
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Englischen Seminar der Universität zu Köln

1999
Promotion in Anglistik mit einer Dissertation zum Thema Entwürfe weiblicher Identität im Englischen Frauenroman des 20. Jahrhunderts

2002-2006
Koordinatorin des vom DAAD geförderten Internationalen Promotionsprogramms ‚Literatur- und Kulturwissenschaft‘ an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Oktober 2004
Gastdozentur an der Universität Łodz

2006
Habilitation an der Universität Gießen mit einer Habilitationsschrift zum Thema: Metasprachliche Reflexionen und sprachliche Gestaltungsmittel im englischsprachigen postkolonialen und interkulturellen Roman

WS 2006/7
Vertretung einer Professur für Anglistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen

2006
Rufe an die Universität Bonn und die Universität Wuppertal

seit 01.04.2007
Professorin für Anglistische Literatur- und Kulturwissenschaft (W2) am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie an der Universität Bonn

WS 2007/8
Gastprofessur für Intermedialität an der Universität Graz

Juli 2008
Wahl zur Studiendekanin der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn

Gründungsmitglied des Zentrums für Transkulturelle Narratologie an der Universität Bonn 

Forschungsschwerpunkte

Englische Literatur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart – postkoloniale und amerikanische interkulturelle Literatur – Gender Studies – Erzähltheorie – Erinnerungskulturwissenschaftliche Ansätze – audiovisuelle Medien

Während meines Studiums hatte ich sicher noch nicht das Ziel, eine Universitätslaufbahn einzuschlagen. Eine Tätigkeit beim Auswärtigen Amt oder bei einer internationalen Organisation schien mir erstrebenswert. Als sich nach meinem Magisterstudium jedoch die Möglichkeit bot, eine Wissenschaftliche Mitarbeiterstelle anzunehmen, ergriff ich diese Chance. Das Interesse an den Gender Studies und der Literatur von britischen Autorinnen aus dem 20. Jahrhundert wurde vor allem durch Professorin Natascha Würzbach geweckt. Ihre Seminare und Vorlesungen zu Romanen und Dramen von Autorinnen, aber auch zur englisch-schottischen Volksballade und Straßenballade beeindruckten mich insbesondere durch die Präzision und klare Strukturierung sehr stark, und zu meiner Freude war Professorin Würzbach bereit, die Betreuung meiner Dissertation zu übernehmen. Aufgrund der Tatsache, dass ich eine Mitarbeiterstelle in der anglistischen Sprachwissenschaft bei Professor Jon Erickson hatte, konnte ich nicht nur in der Literaturwissenschaft – dem Bereich, in dem ich meine Dissertation verfasst habe, – Erfahrungen in Lehre und Forschung sammeln, sondern auch in der Linguistik. Neben sprachwissenschaftlichen Einführungsseminaren habe ich vor allem Seminare in den Bereichen Erst- und Zweitspracherwerb sowie Varietätenlinguistik (amerikanisches Englisch und Varietäten des Englischen in postkolonialen Regionen) angeboten. Die Entscheidung für ein Habilitationsprojekt, das im Grenzgebiet von Literatur- und Sprachwissenschaft angesiedelt ist, war das Ergebnis meines intensiven Kontakts mit linguistischen Fragestellungen und meines Interesses für die Wirkungsweisen von Sprache.

Prägend war für mich die Tätigkeit als Koordinatorin des Internationalen Promotionsprogramms ‚Literatur- und Kulturwissenschaft‘ an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Zusammenarbeit mit mehr als 70 internationalen Promovierenden aus verschiedenen philologischen Fächern habe ich als große Bereicherung empfunden. Die Förderung von NachwuchswissenschaftlerInnen halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben von HochschullehrerInnen. Vor allem durch die Exzellenzinitiative bieten sich NachwuchswissenschaftlerInnen an vielen Universitäten ausgezeichnete Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Qualifikation durch Tagungen und Publikationen. In einer solchen Situation sollten sich HochschullehrerInnen verpflichtet fühlen, ihren PromovendInnen Möglichkeiten zum Erwerb von Zusatzqualifikationen zu bieten, sei es durch Vorträge und Publikationen oder auch durch das Aneignen von Zusatzqualifikationen im organisatorisch-administrativen Bereich. Da ich schon in der Promotionsphase Gelegenheit zu Veröffentlichungen hatte und mehrere Jahre als Assistentin der Geschäftsführung des Englischen Seminars tätig war, konnte ich selbst erleben, wie wichtig solche Erfahrungen für die akademische Laufbahn sind. Sie helfen zudem dabei, die Entscheidung zu treffen, ob eine akademische Karriere wirklich das ist, was man anstrebt.

Dass ich schon etwas mehr als ein Jahr nach meiner Berufung nach Bonn zur Studiendekanin gewählt wurde, kam für mich sehr überraschend. Ich war aber gerne bereit, mich dieser Herausforderung zu stellen, und bereue meine Entscheidung nach zwei Jahren im Amt nicht. Zwar ist das Amt der Studiendekanin gerade in Zeiten der Umstrukturierung der Studiengänge, des Auslaufens der Magisterstudiengänge und der Vorbereitung der Wiedereinführung des Lehramts überaus arbeitsintensiv, aber es bietet auch wertvolle Einblicke in die Arbeitsabläufe an der Hochschule und die Möglichkeit, Studiengänge aktiv mitzugestalten. Vor allem die Vorbereitung des Lehramts ist ebenso spannende wie fordernd.

Wenngleich die Aufgaben als Studiendekanin in Verbindung mit den Verpflichtungen in den Bereichen Lehre und Prüfung recht wenig Zeit für die eigene Forschung lassen, bemühe ich mich dennoch, die Vorzüge der Universität Bonn als sehr produktivem Forschungsumfeld zu nutzen. Im Bereich der Erzähltheorie beispielsweise bieten sich hervorragende Kooperationsmöglichkeiten. Mein Interesse an der Erzähltheorie wurde vor allem durch meine akademischen Lehrer Professorin Natascha Würzbach (früher Universität Köln) und Professor Ansgar Nünning (Universität Gießen) geweckt. Ich war sehr froh, an der Universität Bonn Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen philologischen Fächern und gerade auch aus den Asienwissenschaften zu treffen, die sich für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der Narratologie interessieren. Sichtbares Zeichen dieser interdisziplinären Zusammenarbeit ist das im Sommersemester 2010 neu gegründete Zentrum für Transkulturelle Narratologie. Das Zentrum steht durch die bereits in regelmäßigen Workshops, Vorträgen und einer Ringvorlesung erprobte Kooperation zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Disziplinen auf einer sehr soliden Grundlage. Für die kommenden Semester sind schon verschiedene weitere Workshops in Planung. Daran sind ProfessorInnen ebenso beteiligt wie NachwuchswissenschaftlerInnen.

Zu den kulturwissenschaftlichen Themen, mit denen ich mich in letzter Zeit beschäftigt habe, gehören die kulturelle Bedeutung des Essens (vgl. den von mir mit herausgegebenen Sammelband The Pleasures and Horrors of Eating, 2010) und die historisch und kulturell variable Darstellung von Angst in Literatur und audiovisuellen Medien. Das letztere Thema ist Gegenstand einer Tagung, die ich gemeinsam mit zwei meiner Doktorandinnen organisiere, und eines auf der Tagung basierenden Sammelbandes. Wie wird Angst in unterschiedlichen Gattungen und Medien und in verschiedenen Epochen dargestellt? In welchem Zusammenhang steht die Darstellung von Angst mit Diskursen wie etwa Psychologie und Medizin? Wie variiert die Inszenierung von Angst bei männlichen und weiblichen Figuren; werden Formen von Angst als geschlechtsspezifisch betrachtet? Auf welche Weise erzeugen Gattungen wie der Horrorfilm bei den ZuschauerInnen Angst? Dies sind einige der Grundfragen, die im Rahmen der Tagung und des Sammelbandes behandelt werden sollen.

(August 2010)

 

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