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Dr. Gabriele König

Koenig


Professorin für Pharmazeutische Biologie

Schule: 1963–1976

Nach Grundschule im Dorf folgte die Mittlere Reife auf der nächst gelegenen Realschule und nachfolgend das Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium in Schwäbisch Gmünd. Mit 15 verschlang ich Chemiebücher und träumte davon, Wissenschaftlerin zu werden. Ob es ursprünglich daran lag, dass ich in den Chemielehrer verliebt war, kann ich heute nicht mehr sagen. Allerdings schien dieses Berufsziel aus der Situation heraus ziemlich unrealistisch. Meine Eltern, vor allem der Vater, hielten das für eine verrückte Idee. Auf Drängen der Lehrer, die mich als Klassenbeste kannten, bewarb ich mich schließlich um einen Studienplatz. Was ich studieren wollte war klar: eigentlich Chemie, aber weil man sich zu Hause unter einer Apothekerin mehr vorstellen konnte, wurde es Pharmazie.

Studium: 1976–1980

Das Pharmaziestudium begann ich 1976 in Freiburg / Brsg. Studieren war und ist für mich eine Entdeckungsreise und als solche mit dem Kennenlernen faszinierender Zusammenhänge, allerdings auch mit Strapazen verbunden. Nach Abschluss des Studiums lernte ich den Berufsalltag in einer Apotheke in Hamburg kennen und war zunächst ziemlich enttäuscht.

Promotion: 1980–1984

Ich bewarb mich daher schnellstmöglich um ein Promotionsstipendium, das mich 1980 an die Universität Freiburg zurückbrachte. Mich faszinierte der Zusammenhang zwischen Chemie und Natur und die nächsten vier Jahre war ich damit beschäftigt, chemische Substanzen, die von einer Mangrove gebildet werden, zu analysieren. 1984 wurde ich promoviert, bewarb mich bei der Pharmazeutischen Industrie, gab dann aber einem Postdoktorandenstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Vorrang, das mich in das ferne Australien führte.

Postdoktorandenzeit / Familiengründung: 1984–1989

Wir erforschten die Chemie der Korallenriffe: Tauchexkursionen wechselten mit langen Tagen im Laboratorium; und ich lernte meinen Mann kennen, der in derselben Arbeitsgruppe seine Doktorarbeit durchführte. Ich war damals kurz vor meinem 30. Geburtstag und obwohl ich nie über Familie nachgedacht hatte, war klar, jetzt oder nie. 3 Monate später war ich schwanger, was ich mit einer Mischung aus Freude und Schock aufnahm. Ich habe weitergearbeitet bis zwei Tage vor der Geburt und ging dann nach 6 Wochen ins Labor zurück. Für Patrick fand ich eine Tagesfamilie. Für mich war das in Ordnung, mein Ehemann und die Umgebung waren zunächst entsetzt. Letztendlich war das entscheidende Argument jedoch, dass wir das Geld brauchten, das ich verdiente.

Habilitationszeit: 1989–1993

Ein Angebot, an die renommierte ETH Zürich zu gehen, eröffnete neue Perspektiven. Von 1989 bis 1993 brauchte ich für die Habilitation, eine harte Zeit, voller Hetze zwischen Labor, Tagesfamilie und Kindergarten. Das Kind war häufig krank, und es war nicht leicht, sich immer wieder davon zu überzeugen, dass mein Karrierewunsch den Sohn nicht überforderte. Im Rückblick kann ich heute sagen, dass diese Probleme sich alle gelöst haben und völlig unabhängig von meiner Berufstätigkeit aufgetreten sind. Damals haben mir Gespräche mit meiner Laborkollegin, die meine Befürchtungen immer wieder auf ein realistisches Niveau brachte, sehr geholfen. Die Kraft zog ich aus meiner Begeisterung für die Wissenschaft.

Professur: ab 1994

1994 erhielt ich einen Ruf auf eine C 3-Professur an der Technischen Universität Braunschweig. Die Familie blieb zunächst bis zum Ende des Schuljahres in Zürich, was für jedes Wochenende lange Zugfahrten bedeutete. Trotz dieser Belastung beflügelte die Möglichkeit, eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen und die seit langem anvisierten Projekte endlich auch langfristig planen zu können. 1999 folgte dann der Ruf auf eine C 4-Professur an die Universität Bonn. Wissenschaftlerin zu werden bietet die Chance, enorm vielfältige und faszinierende Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehört es visionär zu denken, akribisch Details zu sammeln, diszipliniert Arbeiten zu Ende zu führen und spielerisch Dinge auszuprobieren.

Forschung:

Meeresorganismen als neue Quelle für Wirkstoffe

Neue Wirkstoffe können durch verschiedene Strategien gefunden werden. Hierzu gehören die kombinatorische und target-orientierte chemische Synthese sowie die gezielte Suche nach biologisch aktiven Naturstoffen. Letztere sind eine unverzichtbare Quelle neuer Arzneistoffe. Das Meer bedeckt mit 70,8 % der gesamten Erdoberfläche den größten Teil unseres Planeten und ist Lebensraum vieler ungewöhnlicher Lebewesen. Die Vielfalt an Lebensformen im Meer lässt sich heute nur erahnen, ihre Erforschung auch hinsichtlich pharmakologisch aktiver Substanzen steht zum großen Teil noch aus. Viele Naturstoffe sind Abwehrstoffe, chemische Kampfstoffe, die den Lebensraum und das Überleben des Produzenten sichern. Die ökologische Funktion zelltoxischer Substanzen kann beispielsweise der Schutz des Produzenten vor Fraßfeinden sein, während diese Wirkstoffe pharmazeutisch betrachtet potenzielle Zytostatica darstellen, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen. 

Um solche Substanzen zu identifizieren, werden von uns auf wissenschaftlichen Exkursionen Meeresorganismen wie Algen, Korallen, Schwämme, Bryozoen und Manteltiere, aber auch Proben zur Isolierung von marinen Mikroorganismen gesammelt. Mit Hilfe biologischer Testverfahren werden pharmakologisch aktive Substanzen in Extrakten dieser Organismen detektiert und nachfolgend in reiner Form isoliert und charakterisiert. Einige von Meeresorganismen produzierte Naturstoffe können somit als Leitstrukturen für die Entwicklung neuer Wirkstoffe eingesetzt werden. Das Ziel unserer pharmazeutisch orientierten naturstoffchemischen Projekte ist es, neue Naturstoffproduzenten in bislang wenig erforschten Habitaten wie dem Meer zu identifizieren.

Neue Organismengruppen verfügen über einzigartige Stoffwechselaktivitäten, welche neuartige, bislang nicht bekannte Strukturtypen und entsprechende biologische Wirkungen hervorzubringen vermögen. Es gilt, das pharmakologische Potenzial dieser Naturstoffe zu erfassen und den Pharmakophor als den für die Wirkung ausschlaggebenden Teil des Naturstoffmoleküls abzuleiten. Gentechnische Methoden haben sich als wichtiges Werkzeug zum Aufbau der dafür notwendigen Testsysteme erwiesen. Die Kombination der traditionellen Naturstoffchemie mit diesen neuen methodischen Entwicklungen wird zukünftig die Rolle von Naturstoffen in der Wirkstoffentwicklung noch deutlicher zutage treten lassen.

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