Sie sind hier: Startseite Perspektive Wissenschaft Professorinnen Dr. Monika Hartmann

Dr. Monika Hartmann

Hartmann


Professorin für Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft

 

Biographischer Teil

Aufgewachsen bin ich am Niederrhein. Die Gymnasialzeit verbrachte ich auf einer Mädchenschule in Krefeld. Unterbrochen wurde diese durch einen einjährigen USA-Aufenthalt als Austauschschülerin, durch den ich viele interessante und prägende Erfahrungen in diesem Land sammeln konnte. In der Schulzeit interessierte mich vor allem Mathematik und ich war überzeugt, dieses Fach auch studieren zu wollen. Kurz vor dem Abitur entschied ich mich jedoch anders, nämlich für das Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Gießen. Die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn nutzte ich für ein Praktikum auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in den USA – als Stadtkind war dies mein erster unmittelbarer Kontakt mit der Landwirtschaft. Nach dem Grundstudium intensivierte ich im Rahmen eines einjährigen Praktikums auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland diese Erfahrungen.

Obwohl mich die Lehrinhalte des Grundstudiums der Agrarwissenschaften nur mit wenigen Ausnahmen sehr interessierten, wurde ich von den sehr anonymen Studienbedingungen eher abgeschreckt. Richtig Freude am Studium entwickelte sich bei mir erst im Hauptstudium. Für diesen zweiten Studienabschnitt wählte ich den Schwerpunkt der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues. Bereits zu Beginn des Hauptstudiums bot mir Prof. Dr. Peter Michael Schmitz, Inhaber des Lehrstuhls für Agrarpolitik, eine Stelle als Hilfswissenschaftliche Mitarbeiterin an. Diese Offerte konnte ich nicht abweisen, was sich bald als richtungweisend für meine berufliche Laufbahn herausstellte. Er wurde zu meinem wichtigsten akademischen Lehrer, der meinen Werdegang in den Folgejahren maßgeblich geprägt hat. Nach Abschluss des Studiums im April 1987 bot er mir eine Wissenschaftliche Mitarbeiterstelle an. Als er kurze Zeit später an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät nach Frankfurt wechselte, folgte ich ihm. Die „Frankfurter“ Jahre waren für mich wissenschaftlich eine ausgesprochen produktive Zeit. Prägend waren die Mitarbeit an verschiedenen sehr interessanten Forschungsprojekten sowie die aktive Teilnahme an einer großen Zahl von agrarökonomischen Konferenzen und Seminaren im In- und Ausland. Darüber hinaus erhielt ich die Möglichkeit in Frankfurt, aber auch durch Lehraufträge in Giessen und Göttingen, Lehrerfahrung zu sammeln.

Die Freude, die mir sowohl Forschung als auch Lehre machten, die sich zunehmend einstellenden wissenschaftlichen Erfolge und der nachhaltige Zuspruch seitens meiner akademischen Lehrer ermutigten mich, nach der Promotion im Jahr 1991 eine Habilitation anzustreben. Allerdings erhielt ich noch vor deren Fertigstellung 1995 einen Ruf als C4-Professorin an die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität in Halle / Saale. Meine Haupttätigkeit fand jedoch nicht an dieser Fakultät statt, sondern ich sah mich mit den Kollegen Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Tillack und Prof. Dr. Klaus Frohberg der Herausforderung und beneidenswerten Chance gegenüber, das neu gegründete Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropas (IAMO) aufzubauen, mit zu leiten und an diesem zu forschen.

Im Jahr 2000 kam unsere Tochter zur Welt, 2001 folgte unser Sohn. Seither ist mein Leben unendlich viel reicher, aber auch erheblich anstrengender geworden. Es gilt, einen Ausgleich zu finden zwischen den beruflichen Ansprüchen und den Bedürfnissen der Familie. Trotz der damit verbundenen Probleme empfinde ich es als großes Privileg, einen interessanten und anregenden Beruf ausüben zu können, ohne auf das Glück von Familie und Kindern verzichten zu müssen.

2002 erhielt ich den Ruf auf die Professur für Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der hiesigen Universität. Parallel eröffnete sich auch für meinen Mann die Möglichkeit, eine Professur an der Bonner Universität zu übernehmen. Wir ergriffen diese einmalige Chance wohl wissend, dass die damit verbundenen Veränderungen das sensible Gleichgewicht in unserem Leben zunächst noch einmal empfindlich stören würden. Inzwischen haben wir die schwierige Anfangsphase überwunden und fühlen uns beruflich und privat in Bonn sehr wohl.

Wissenschaftliches Profil

Mein Forschungsinteresse war in den letzten zwei Dekaden durch Wandel, aber auch durch Beständigkeit geprägt. Der Wandel ergab sich sowohl aus der Neugier, interessante und relevante neue Themen aufzugreifen und zu bearbeiten, als auch durch Kontakte und Kooperationen mit KollegInnen im In- und Ausland. Ebenso führten berufliche Veränderungen, insbesondere der Wechsel von Frankfurt nach Halle sowie die Aufnahme meiner Tätigkeit in Bonn zu einer neuen Schwerpunktsetzung in meiner wissenschaftlichen Ausrichtung.

Beständig ist mein Interesse an der Analyse und Bewertung von Politiken geblieben. Im Vordergrund stand dabei immer der methodische Ansatz. Allerdings änderte sich durch die jeweiligen Ausrichtungen der Institute der zu analysierende Politikbereich sowie der geographische Fokus meiner Arbeit. Zunächst stand vor allem die Untersuchung der Auswirkungen agrarpolitischer Interventionen in Industrie- und Entwicklungsländern auf die inländischen und internationalen Agrarmärkte sowie auf die Wohlfahrt der Gesellschaft im Blickfeld meines Interesses. Verzerrungen in anderen Politikbereichen, wie z. B. Industriepolitik oder Wechselkurspolitik wurden zwar in die Analysen mit einbezogen, sie waren jedoch in der Regel nicht selber Gegenstand der Untersuchung.

Angeregt durch KollegInnen aus den USA und Irland sowie das Einwerben von Drittmitteln begann ich mich Anfang der 90er Jahren verstärkt mit den Interdependenzen zwischen Agrarpolitik und ihren Umweltwirkungen auf der einen Seite sowie umweltpolitischen Maßnahmen und ihren Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Märkte und die Wohlfahrt der Gesellschaft auf der anderen Seite zu beschäftigen. Basis für die quantitativen Untersuchungen war ein partielles statisches Simulationsmodell, das man am United States Department of Agriculture (USDA) entwickelt hatte und das von mir für diese spezifischen Fragestellungen modifiziert und erweitert wurde.

Durch den Wechsel an das IAMO im Jahr 1995 verlagerte sich mein geographischer Fokus auf die Länder Mittel- und Osteuropas (MOEL). Außerdem widme ich mich seither dem Verarbeitungssektor und weniger dem Primärsektor. Die Analyse umweltpolitischer Eingriffe verschwand auf Grund der neuen Situation gänzlich von meiner Agenda. Dafür rückte der Themenschwerpunkt Transformation der Land- und Ernährungswirtschaft in den MOEL in den Vordergrund meiner Untersuchungen. Besonders die politischen Maßnahmen, die den Umbau der Verarbeitungsindustrie unterstützen sollten, gewannen meine Aufmerksamkeit. Darüber hinaus galt mein Interesse der Analyse der Wettbewerbsfähigkeit dieses Industriezweiges, einem Thema, das ich schon in der Frankfurter Zeit begonnen hatte, jedoch nicht länger auf Deutschland bezog, sondern in Beziehung zu den MOEL setzte. Mit der Untersuchung multi- und plurilateraler Handelspolitiken griff ich ein drittes und für mich bis dahin weitgehend neues Forschungsfeld auf.

Seit dem Wechsel an die hiesige Landwirtschaftliche Fakultät beschäftigen sich meine Mitarbeiter und ich in Forschung und Lehre mit den Märkten für Agrar- und Ernährungsgüter. Schwerpunkt ist dabei wiederum der Verarbeitungssektor. Aber auch das Konsumentenverhalten findet in unseren Untersuchungen den gebotenen Platz und hierbei insbesondere die Bewertung von Maßnahmen zum Verbraucherschutz im Lebensmittelbereich. Regional konzentrieren sich die Arbeiten auf Deutschland. Einige Studien beziehen sich aber auch auf andere Länder der EU-25.

(2005)

Artikelaktionen