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Dr. Andrea Stieldorf

Stieldorf

 

Professorin für Mittelalterliche Geschichte und Historische Grundwissenschaften

Kurzbiographie

Nach dem Abitur in Bonn (1986) nahm ich das Studium der Fächer Geschichte und Italienisch (auf Lehramt) an der Universität Bonn auf, wobei ich bereits in den ersten Semestern ein besonderes Interesse für die Mittelalterliche Geschichte und die Historischen Hilfswissenschaften entwickelte. Nach dem Staatsexamen nahm ich, ebenfalls in Bonn, ein Promotionsstudium auf, das ich 1998 mit einer Arbeit über „Rheinische Frauensiegel. Studien zur rechtlichen und sozialen Stellung weltlicher Frauen im 13. und 14. Jahrhundert“ abschloss. Danach arbeitete ich im Rahmen meiner Assistentenstelle zwei Jahre lang überwiegend für die Edition der merowingischen Königsurkunden, die 2001 erschien. In der Zwischenzeit hatte ich mich zur Habilitation entschlossen und mich mit „Marken und Markgrafen. Studien zur Grenzsicherung des Reiches durch die fränkisch-deutschen Herrscher“ auch für ein Thema entschieden. Nach der Geburt unserer Tochter 2002 konnte ich mich mit einem Lise-Meitner-Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für insgesamt drei Jahre von meiner Assistentenstelle beurlauben lassen, was mir ermöglicht hat, mich neben der Betreuung meiner kleinen Tochter intensiv um die Forschungen zu meiner Habilitationsschrift zu kümmern. In unserem Fall war dies besonders hilfreich, weil mein Mann an der Universität Leipzig tätig war. In der Endphase meiner Habilitationsschrift pendelte ich zwischen Leipzig und Bonn, um hier meine Assistentenstelle wieder wahrzunehmen. Eine besondere Unterstützung erhielt ich durch das Maria-von-Linden-Programm der Universität Bonn, das mir eine wissenschaftliche Hilfskraft finanzierte, die mir bei den Abschlussarbeiten an meiner Habilitationsschrift zur Hand ging. Als nach dem Abschluss des Habilitationsverfahrens 2008 meine Assistentenstelle auslief, erhielt ich aus demselben Programm ein Stipendium für zwölf Monate, was in der Qualifikationsphase eine wesentliche Hilfe war, weil ich mich auf weitere Forschungen und Veröffentlichungen konzentrieren konnte. Mit Blick auf meine erste Berufung an die Otto-Friedrich-Universität Bamberg auf die dortige W2-Professur für Historische Grundwissenschaften zum Wintersemester 2010/11 war diese zusätzlichen Arbeiten sehr wichtig. Zum Oktober 2015 wurde ich auf den Bonner Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und Historische Grundwissenschaften berufen.

Forschungsschwerpunkte
  • Historische Grundwissenschaften, insbes. Sphragistik, Numismatik, Heraldik, Diplomatik, Paläographie
  • Politische und Verfassungsgeschichte des Mittelalters
  • Repräsentation des Adels im hohen und späten Mittelalter
  • Wissens- und Universitätsgeschichte
Persönliches

Gründe für die Wahl des Studienfaches

Als ich die Schule abschloss stand für mich fest, dass ich einen Beruf mit geschichtswissenschaftlichem Bezug ergreifen wollte, am liebsten Archivarin, weil ich dieses Berufsbild durch persönliche Bekanntschaften, aber auch durch Praktika zu Schulzeiten bereits kannte. Insofern war das Studium der Geschichtswissenschaften gewissermaßen „gesetzt“. Für das Lehramtsstudium entschied ich mich, falls sich die Archivarslaufbahn nicht realisieren lassen sollte, um ggf. nach dem Referendariat als Lehrerin an einem Gymnasium unterrichten zu können. Die Wahl meines zweiten Faches war keine taktische Entscheidung, sondern eine der Vorliebe. Da ich Italienisch an der Schule aus Stundenplangründen nicht hatte wählen können, wollte ich es an der Universität tun.

Gründe für eine wissenschaftliche Laufbahn

Durch den Berufswunsch Archivarin war klar, dass ich eine Promotion anstreben würde, da diese die Voraussetzung für eine Aufnahme an der Archivschule Marburg war. Im Verlaufe meines Studiums, gefördert durch meine akademischen Lehrer während meiner Hilfskrafttätigkeit (seit 1989) und als wissenschaftliche Hilfskraft (seit 1993), dann wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistentin (seit 1996) habe ich zunehmend die Freude an eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt. So wuchs dann auch der Wunsch, dieses zum Mittelpunkt meines Berufslebens werden zu lassen.

Prägende Erfahrungen/Wendepunkte/Vorbilder

Natürlich war mir bewusst, dass ein solcher Weg kein Selbstläufer ist; eine meiner Freundinnen aus der Universität sprach von einer Lotterie, auf die man sich einlassen würde. Prägend war für mich die Erfahrung, von meinen akademischen Lehrern (in meinem Fall waren dies tatsächlich ausschließlich Männer) unterstützt und gefördert zu werden. Das war natürlich ein Prozess, der sich über die Jahre hinzog, so dass ich nicht von der einen prägenden Erfahrung oder dem entscheidenden Wendepunkt sprechen kann. Wissenschaftlich sind mir neben meinen akademischen Lehrern immer wieder Menschen begegnet, deren Arbeiten ich in ganz unterschiedlicher Weise inspirierend fand. Ein besonderes weibliches Vorbild hatte ich jedoch nicht, weil es, als ich studierte, keine Professorinnen in meinem Fachbereich in Bonn gab.

Empfehlungen für
Nachwuchswissenschaftlerinnen

Meine persönliche Erfahrung ist zum einen, dass die eigene Karriere nicht generalstabsmäßig zu planen ist. Deswegen hilft es, sich auf die eigene Intuition zu verlassen, um die persönlichen Stärken zu erkennen, ebenso die Chancen, die sich einem bieten. Dennoch: keine(r) lebt für sich allein: Rat und Unterstützung aus dem persönlichen wie beruflichen Umfeld sollten immer willkommen sein.

 

Stand: 16. März 2016
Foto: Barbara Fromman / Uni Bonn

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