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Dr. Britta Klagge

Klagge 

Professorin für Geographie

 

Kurzbiographie

1984 
Abitur in Hamburg-Bergedorf

1984-1991
Studium der Mathematik und der Geographie mit den Nebenfächern Physik, Städtebau/Kulturtechnik und Bodenkunde an den Universitäten Hamburg, Bonn und Madison, Wisconsin

1990
Diplom in Mathematik an der Universität Bonn

1991
Master of Science (Geography) an der University of Wisconsin, Madison

1992-1994
Management-Trainee sowie anschließend selbständige Tätigkeit im Controlling/Central Management Accounting bei der Union Deutsche Lebensmittelwerke GmbH in Hamburg (Tochter der Deutschen Unilever GmbH)

1994-1996
Doktoratsstudium an der Universität Wien und Forschungsstipendiatin am Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

1997
Promotion im Fach Geographie an der Universität Wien

1996-1998
Lehrbeauftragte im Studiengang Geographie und wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem DFG-Forschungsprojekt an der Universität Bremen

1998
Forschungsaufenthalt an der Faculty of Economics, University of Tokyo

1998-2004
Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Hamburg

2004
Habilitation und Venia Legendi im Fach Geographie an der Universität Hamburg

2005-2012
Professorin (W3) für Wirtschaftsgeographie und Regionalforschung an der Universität Osnabrück

2009-2012
Dekanin des Fachbereichs Kultur- und Geowissenschaften

2011-2012
Dekanesprecherin an der Universität Osnabrück

seit 2012
Professorin (W3) für Geographie am Geographischen Institut der Universität Bonn

2013
Ruf auf den Lehrstuhl Sozial- und Wirtschaftsgeographie an der Universität Wien (abgelehnt)

seit 2015
Geschäftsführende Direktorin des Geographischen Instituts an der Universität Bonn

Forschungsschwerpunkte

Geographische Energieforschung
Finanzgeographie und Kapitalismusentwicklung
Globaler Wandel in wirtschaftsgeographischer Perspektive
Stadt- und Regionalforschung

Nähere Infos auf meiner Homepage:

https://www.geographie.uni-bonn.de/forschung/wissenschaftliche-bereiche/wirtschafts-und-sozialgeographie/members/Klagge

Persönliches

Was hat Sie zur Wahl Ihrer Studienfächer bewogen?

Zunächst habe ich mich für Mathematik entschieden, da mir Mathematik in der Schule viel Freude bereitet hat. Nach einiger Zeit war mir die Mathematik alleine aber etwas zu trocken, und ich habe ein zweites Hauptfach gesucht, das eine Verbindung zu meinen Interessen und meinem Engagement in der Friedens- und Umweltbewegung aufweist. Die Wahl fiel auf die Geographie, also auf eine Disziplin, die natur- und gesellschaftswissenschaftliche Perspektiven verknüpft und in der empirische Forschung eine wichtige Rolle spielt.

Welche Gründe waren für Sie entscheidend, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen?

Nach meinen Studienabschlüssen in Bonn (Mathematik) und den USA (Geographie) habe ich praktische Berufserfahrungen als Management Trainee im Controlling bei Unilever gesammelt. Dies war für mich unglaublich spannend, weil es mir einen sehr guten Einblick in die Funktionsweise von Unternehmen und in die Wirtschaft im Allgemeinen gewährt hat. Die Aufenthalte in verschiedenen Werken, z. B. in Cuxhaven (Fisch, Fertiggerichte) und in Kempten (Käse), haben mir Spaß gemacht, ebenso wie die Entwicklung von Modellen zur Kosten- und Leistungsrechnung. Allerdings empfand ich das Umfeld in der Konzernzentrale und die Tatsache, dass meine Arbeit in erster Linie der Umsatz- und Gewinnsteigerung dient, als wenig bereichernd.

Nach anderthalb Jahren habe ich gekündigt, um in der Geographie zu promovieren. Dies war damals noch keine Entscheidung für eine wissenschaftliche Laufbahn, sondern für die Promotion zu dem spannenden Thema der wirtschaftlichen Öffnung Osteuropas. Zum Glück habe ich schnell eine Betreuerin (damals etwas Besonderes!) gefunden und ein Stipendium erhalten. Die Freude an der Forschung, am selbstständigen Arbeiten und dem wissenschaftlichen Austausch mit Kolleg_innen im In- und Ausland sowie außerdem die ersten positiven Erfahrungen in der Lehre haben letztendlich den Ausschlag gegeben, eine wissenschaftliche Laufbahn an der Universität einzuschlagen.

Gab es prägende Erfahrungen, Wendepunkte und Vorbilder auf diesem Weg?

Die gab es, aber da lassen sich keine einzelnen besonders hervorheben – außer vielleicht mein Studienaufenthalt in den USA, der mich sehr nachhaltig geprägt hat, persönlich und im Hinblick auf mein Interesse an der Wissenschaft. Auch die Förderung durch die Studienstiftung des deutschen Volkes im Studium und während der Promotion eröffnete mir wichtige Einblicke und Perspektiven, die meinen Horizont erweitert haben. Darüber hinaus haben verschiedene Personen, übrigens u.a. an der Universität Bonn, eine unterstützende Rolle gespielt. Und es gab im Laufe meiner Qualifikationsphase allerdings auch ein oder zwei „Vorbilder“, in deren Fußstapfen ich, bei allem Respekt vor deren wissenschaftlichen Leistungen, nicht treten will. Durch meine vielfältigen beruflichen Erfahrungen war mir außerdem schon früh klar, wie privilegiert das Arbeiten in der Wissenschaft und an der Universität ist.

Rückblickend finde ich interessant, dass das Thema „Frauen und Wissenschaft“ für mich erst spät relevant wurde. Zwar bemerkte ich im Mathematikstudium bereits im ersten Jahr, wie die Zahl der Kommilitoninnen viel schneller abnahm als die der männlichen Studierenden. Im Hauptstudium an der Universität Bonn hatten wir sogar eine kleine „Selbsthilfe-Gruppe“ weiblicher Diplom-Studierender, die zwischen vielen Nerds und Angebern eine wichtige Funktion als unterstützendes soziales Umfeld hatte. Dass Frauen es tatsächlich schwerer haben bzw. mehr leisten müssen, um anerkannt zu werden und erfolgreich zu sein, ist für mich aber erst am Ende der Promotion so richtig deutlich geworden. Insbesondere die ersten Erfahrungen auf internationalen Tagungen sowie mit und in Besetzungs- und Berufungsverfahren waren diesbezüglich erhellend.

Welche Empfehlungen möchten Sie an Nachwuchswissenschaftlerinnen weitergeben? 

Schwierige Frage, das ist sehr individuell. Wichtig ist sicher, Ziele konsequent zu verfolgen und nicht aufzugeben. Dazu gehört, mit Rückschlägen umgehen zu lernen und dabei den Optimismus nicht zu verlieren, ebenso wie die Bereitschaft, Risiken einzugehen und – sowohl fachlich als auch persönlich – immer mal wieder neue Wege einzuschlagen. In den letzten Jahren beobachte ich beim wissenschaftlichen Nachwuchs eine zunehmend ängstliche Haltung und gleichzeitig ein Anspruchsdenken, die dem, was Wissenschaft ausmacht, nicht gerecht werden. In der Wissenschaft sollen sich die besten Ideen und Köpfe durchsetzen. Dazu erfordert es Mut, Intelligenz, Veränderungsbereitschaft und eine gehörige Portion Fleiß und Disziplin. Das Leben als Professor_in ist schön, vielfältig und spannend, aber oft auch anstrengend und mit einem hohen persönlichen Einsatz verbunden. Ich wünsche mir, dass Nachwuchswissenschaftlerinnen Freude an ihrer Arbeit haben und diese an ihr Umfeld – Kolleg_innen und Studierende – weitergeben!

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