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Dr. Anne-Marie Bonnet

Bonnet


Professorin für Kunstgeschichte


Das Interesse für deutsche Sprache und Philosophie führte mich nach Deutschland, wo ich 1974 / 75 mein Studium, das ich in Frankreich begonnen hatte, ursprünglich für ein Jahr fortsetzen wollte. In den 70er Jahren in Heidelberg zu studieren war eine sehr aufregende Zeit. Nachdem ich einem Cliché folgend ‚mein Herz in Heidelberg verloren‘ hatte, schrieb ich mich für Kunstgeschichte um und begann ein neues Studium. Endlich – weit ab von zu Hause (ich kam aus Marseille!) – konnte ich meinem schon immer existierenden Interesse an Kunst nachgehen. Neben dem Studium der Kunstgeschichte nahm ich regen Anteil am Kunstgeschehen, besuchte Ausstellungen, hatte Kontakte zu Künstlern, schrieb für Feuilletons, arbeitete für Museen, zunächst ohne bestimmte Zielrichtung, ‚pour l‘amour de l‘art‘. Ein Tutorenprogramm an der Universität Heidelberg in den 80er Jahren gab mir die Möglichkeit das wenige, was ich damals wusste, weiter zu vermitteln zu versuchen. Bei diesem Anlass entdeckte ich meine Lust an der Vermittlung und die Möglichkeit, Schreibtischtätigkeit auch in einen lebenden Diskurs überführen zu können. Wir waren damals stark von Joseph Beuys geprägt, von der Idee der ‚sozialen Plastik‘: Sprechen, denken als plastische, verändernde Akte zu verstehen. Die Entscheidung für die wissenschaftliche Laufbahn war aber eine sehr allmähliche, so sehr ich meinen Lehrer für seine Brillanz bewunderte, so sehr waren mir die gruppendynamischen Konkurrenzspielchen bereits in den Doktorandenkolloquien und sonstigen Balzplätzen des so genannten wissenschaftlichen Nachwuchses abgrundtief fremd. Der Eros des Schauens und des Denkens begründet Lust und Willen zu Wissenschaft, aber nicht unbedingt auf / zu ‚Academia‘.

Als ich dann doch beschloss, die ‚akademische Laufbahn‘ zu wagen, mit dem Ziel, es anders zu machen, wurde dies von den ‚Lehrern‘ entweder nicht recht ernst genommen oder versuchsweise ignoriert. Von einigen Kommilitonen und Mitstreitern, sowie von meinen Freunden und Partnern wurde ich jedoch bedenkenlos unterstützt. Ich hatte das Glück, dann von einigen Hochschullehrern, die meine wissenschaftlichen Vorhaben schätzten, auch von fern gefördert zu werden.

Als Kunsthistorikerin gibt es durchaus andere Tätigkeitsfelder wie die Museen, die Denkmalpflege oder die sogenannten Kulturmedien. Anlässlich von Praktika hatte ich aber erfahren, dass man dort vor allem Zuträgerarbeit leistet bzw. in administrativer Organisationsbetriebsamkeit untergeht. Ich wollte selbständig denken und handeln, mich stets weiterbilden (?!) und etwas weitergeben können, deshalb entschied ich mich für ‚Forschung und Lehre‘ … und hatte das Glück, dies auch zu erreichen.

In Konfliktsituationen waren es stets meine Familie und Freunde, die Rückhalt gewährten. Der Beruf der ‚Wissenschaftlerin‘ bietet jungen Frauen die Möglichkeit der Selbstentfaltung, er spielt sich aber in einem überaus harten und immer noch stark männlich patriarchal geprägten Milieu ab. Man darf nicht erwarten, in ‚Academia‘ sein Selbstwertgefühl bestätigt zu finden, sondern muss eine in sich gefestigte Person sein, ein eigenes Konzept dessen haben, was man unter Wissenschaft versteht und was es einem bedeutet, um die vielbeschworene ‚Kollegialität‘ auszuhalten. 

(2005)

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