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Dr. Brigitte Petersen

 

Petersen

 

 

 

Professorin für Präventives Gesundheitsmanagement

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Studienfachwahl

Bereits nach der Mittleren Reife (1970) stand für mich fest, dass ich nach Fortsetzung der schulischen Ausbildung ein naturwissenschaftlich geprägtes Studium aufnehmen würde. Allerdings fiel mir die Entscheidung, welchen Studiengang ich wählen sollte, nicht leicht. Da die Schule nur wenige 100 Meter von den Hörsälen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen sowie der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn entfernt lag, nutzte ich die Gelegenheit, mir hin und wieder die ein oder andere Vorlesung aus dem Grundstudium anzuhören und besorgte mir das damals sehr magere Informationsmaterial zu den einzelnen Studiengängen. Ich schwankte kurz nach dem Abitur noch zwischen der Entscheidung, Ernährungs- und Haushaltswissenschaften oder Agrarwissenschaften zu studieren. Allen Beratungsempfehlungen zum Trotz, dass die Berufsaussichten für Frauen im Bereich Ernährungs- und Haushaltswissenschaften unvergleichbar besser seien als in den Agrarwissenschaften, wählte ich schließlich doch letzteres Studienfach, obwohl ich bis dahin keine direkte Verbindung zur Landwirtschaft hatte.

Die Zeit zwischen Abitur im Mai 1973 und Beginn des Studiums im Oktober zum Wintersemester 73 / 74 nutzte ich deshalb, um die ersten Monate des geforderten Berufspraktikums in einem tierhaltenden landwirtschaftlichen Betrieb zu absolvieren. Dort lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Wir heirateten 1976, also noch bevor ich das Studium abgeschlossen hatte. Unsere gemeinsame Planung sah zwar eine Berufstätigkeit im Anschluss an das Examen, jedoch keine wissenschaftliche Laufbahn für mich vor. Noch vor Abschluss der Diplomprüfung bewarb ich mich auf Einstiegsstellen für Diplomagraringenieure in der freien Wirtschaft. Zu dieser Zeit konnten die Pluspunkte meiner Bewerbung wie schnelles Studium (8 Semester), gute Noten im Diplomzeugnis die offensichtlichen Schwachpunkte in meiner Person wie fehlende Berufserfahrung, erst 24 Jahre alt, verheiratet und damit ggf. Unterbrechung der Tätigkeit durch eine Familienphase nicht ausgleichen. Daher nahm ich im Herbst 1977 das Angebot des Betreuers meiner Diplomarbeit gerne an, im Rahmen einer Promotion die in der Examensarbeit begonnenen wissenschaftlichen Untersuchungen auf dem Gebiet des Gesundheitsmanagement in schweinehaltenden Betrieben fortzusetzen.

Entscheidung für die wissenschaftliche Laufbahn

Gleichzeitig mit dem Promotionsthema erhielt ich am Institut die Chance, eine eigene, selbständige Arbeitsgruppe zu etablieren. Dies bedeutete allerdings auch, alle Sach- und Personalmittel, anfangs auch für meine eigene Stelle, über Drittmittelgeber einzuwerben. Ohne finanzielle Absicherung und Ermutigung durch meinen Mann, so manche Niederlage durchzustehen, hätte ich meine wissenschaftliche Laufbahn sehr schnell abbrechen müssen. Doch nach der Promotion 1980 legte ich das Schwergewicht meiner Forschungstätigkeiten auf die Entwicklung neuer Konzepte und Strategien der Gesundheitsvorsorge und Qualitätssicherung bei der Erzeugung und Verarbeitung tierischer Lebensmittel. Ich betrat damit den Grenzbereich zwischen traditionell veterinärmedizinischer und landwirtschaftlicher Forschung.

Im Dezember 1985 habilitierte ich als erste Diplomlandwirtin in Deutschland im Fach Tierhygiene und wurde im Februar 1986 zur Professorin auf Zeit ernannt. Ich hatte fünf Jahre Zeit, entweder aus der befristeten Stelle auf eine unbefristete Professur berufen zu werden oder aber die begonnenen internationalen Forschungstätigkeiten außerhalb der Hochschule fortzusetzen.

Um mir beide Möglichkeiten offen zu halten, gründete ich 1990 gemeinsam mit einer Reihe langjähriger Projektpartner aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft die industrielle Forschungsgemeinschaft Controlling in der Landwirtschaft als Verein und übernahm die wissenschaftliche Begleitung einer Reihe von Verbandprojekten.

Im gleichen Jahr beantragten der damalige Lehrstuhlinhaber für Tierhygiene und die Landwirtschaftliche Fakultät im Rahmen langfristiger Strukturüberlegungen aus dem Hochschulsonderprogramm zur Förderung der Chancen des wissenschaftlichen Nachwuchs eine C3-Fiebiger-Professur für Präventives Gesundheitsmanagement am heutigen Institut für Tierwissenschaften.

Im Juni 1991 erhielt ich den Ruf auf diese Stelle und wurde zur Leiterin der neu eingerichteten Abteilung.

Forschungsprofil geschärft in internationalen Kooperationen

Mit dem Ruf auf die einzige in Deutschland eingerichtete Professur für Präventives Gesundheitsmanagement erhielt ich die sehr reizvolle Aufgabe, ein eigenes Forschungsprofil zwischen den Disziplinen Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin herauszuarbeiten. In den Mittelpunkt meiner Arbeiten in Forschung und Lehre stellte ich daher seit Anfang der 90er Jahre das Querschnittsthema Qualitätsmanagement im gesundheitlichen Verbraucherschutz und richtete hierauf eine Reihe von interdisziplinären doch vor allem internationalen Kooperationen aus. Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) sowie der Gesellschaft für Qualitätswissenschaften (GQW) wurde ich im Jahr 2001 zur Beauftragten der Universität Bonn für das studienbegleitende Programm zur Ausbildung zum Qualitätsmanager junior berufen. Es handelt sich um einen international anerkannten, zertifizierten Abschluss einer Qualifikation, der erstmals für Studierende der Studiengänge Agrarwissenschaften, Haushalts- und Ernährungswissenschaften, Lebensmittelchemie und Lebensmitteltechnologie an einer deutschen Universität gemeinsam mit der DGQ in Verbindung mit dem Diplom vergeben wird.

Den Absolventen mit dieser Zusatzqualifikation eröffnet sich ein breites Berufsfeld in Wirtschaft und Verwaltung, da mit der Neuausrichtung des EU-Lebensmittelrechts in den beiden Bereichen der Aufbau und die ständige Verbesserung eigenverantwortlicher QM-Systeme gefordert werden. Mit der umfassenden Reform im neuen Lebensmittelrecht soll ein Höchstmaß an Sicherheit und Transparenz für den Verbraucher geschaffen werden und die Verantwortung der Unternehmen für die Lebensmittelsicherheit festgestellt werden. Es geht darum, die Vorschriften für die Lebensmittelsicherheit unter dem Schlagwort „vom Stall bis zum Tisch“ zu verbessern und innerhalb der EU kohärent zu gestalten. Von Seiten der Wissenschaft erwartet man Problemlösungsvorschläge, die sowohl inhaltliche, organisatorische als auch technische Aspekte berücksichtigen. Seit Mitte der 90er Jahre wurden innerhalb der eigenen Abteilung in interdisziplinären Teams daher Konzepte und Instrumente für einzelbetriebliche und überbetriebliche Gesundheitsvorsorge- und Qualitätsmanagementsysteme in der Agrar- und Ernährungswirtschaft entwickelt und innerhalb von Pilotprojekten in Wertschöpfungsketten erprobt.

Dabei zeigt sich sehr deutlich, dass Unternehmensgrenzen, Produktionsstufen sowie Landesgrenzen erhebliche Hürden für Transparenz, Qualitätsverbesserung und Prozessoptimierung darstellen. Es entstehen somit Fragestellungen für Forschung und Entwicklung, deren Antworten besser im Verbund mit anderen Organisationen gefunden werden können. Hierzu ergriff ich 2001 die Initiative mit dem Verein GIQS (Interessensgemeinschaft Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung) ein internationales Netzwerk aufzubauen. Als offene Plattform bietet GIQS allen privaten und staatlichen Organisationen die Möglichkeit, sich an internationalen Verbundprojekten zu beteiligen. Mitglieder sind Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen, Behörden und berufsständische Organisationen, Unternehmen entlang der Lebensmittelproduktion von der Landwirtschaft bis zum Einzelhandel sowie deren Vorlieferanten und Dienstleister. Für die Schaffung dieser innovativen Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in einer Public Private Partnership Struktur erhielt ich als Vorsitzende von GIQS 2003 den Kooperationspreis „science to business“ des Landes NRW. Mittlerweile hat sich GIQS als feste Institution in der Verbundforschung und -entwicklung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft etabliert.

(aktualisiert 2009)

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