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Übergriffe, sexualisierte Diskriminierung und Gewalt im Kontext von Auslandsaufenthalten

Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt in der Wissenschaft wird heute vermehrt thematisiert. Nicht zuletzt im Zuge der #MeToo-Bewegung entwickelten Studierende, Lehrende, Forscher*innen und Institutionen ein stärkeres Bewusstsein für mögliche Formen diskriminierenden und übergriffigen Verhaltens und den dazugehörigen Schulungsbedarf zu Umgang und Prävention. Vor allem an deutschen Universitäten beschäftigen sich die meisten Initiativen jedoch mit Belästigung im unmittelbaren Hochschulkontext. Forschungsaufenthalte im Ausland in Disziplinen wie Archäologie, Anthropologie, in den Agrarwissenschaften, Geowissenschaften oder in der Entwicklungsforschung stellen teilnehmende und verantwortliche Personen vor spezifische Herausforderungen.

Studien aus den USA und Kanada (Clancy et al. 2014, Meyers et al. 2018, Radde 2018, Hanson und Richards 2019, Hodgetts et al. 2020) zeigen auf, dass die Mehrzahl der Studierenden und Forscher*innen dieser Fächer bereits Übergiffe sowie sexualisierte Diskriminierung und Gewalt erfahren oder beobachtet hat. Frauen, LGBTQIA-Personen und People of Color sind dabei überproportional betroffen. Als Täter*innen werden vorwiegend heterosexuelle Männer genannt. Außerhalb der gewohnten Strukturen von Campus und Seminarraum steigt die Zahl der Vorfälle im Rahmen der Feldforschung und bei Auslandsaufenthalten noch einmal an.

Feldforschungsfächer sind in den letzten Jahrzehnten diverser geworden. Trotzdem nehmen viele Studierende und Forscher*innen Diskriminierung und Gewalt als selbstverständlichen Teil ihrer Arbeit wahr. Stereotype Bilder „des“ Feldforschers und seines Umfeldes halten sich hartnäckig. Forschungsreisen oder Grabungsarbeiten werden teilweise zu Abenteuern stilisiert und Sicherheitsrisiken mitunter geradezu ein wissenschaftlicher Mehrwert zugeschrieben. Durch diese Klischees wird unfaires und grenzüberschreitendes Verhalten eher begünstigt und die eigentlich wichtige Meldung derartiger Vorfälle unnötig erschwert. Betroffenen wird suggeriert, sie seien überempfindlich – nicht für die harte Forschungsrealität geeignet. Zudem stellen Betroffene sexualisierter Übergriffe häufig zunächst ihre eigene Wahrnehmung in Frage. Die kritische Reflexion der eigenen eurozentristischen Forscher*innenperspektive kann diesen Effekt noch verstärken.

Archäologie
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Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
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Neben der Feldarbeit bilden Unterbringung vor Ort und Transport weitere Problemfelder. Mögliche Täter*innen können Mitglieder der eigenen Arbeitsgruppe oder von Kooperationsinstitutionen sein sowie Kontaktpersonen in der Administration, Gastgeber*innen, Interviewpartner*innen oder freiwillige Ausgrabungshelfer*innen. Forscher*innen sind auf all diese Personen angewiesen, um ihre Arbeit durchführen zu können. Übergriffe finden dabei nicht nur innerhalb eines etablierten Macht- oder Abhängigkeitsgefälles statt. Die Vorfälle werden  häufig auch von Täter*innen genutzt, um Machtpositionen und Abhängigkeiten herzustellen. So ergibt sich eine Vielzahl von Konstellationen, die ihre jeweils eigenen Fragen aufwerfen – zu den unmittelbaren Handlungsmöglichkeiten zum Selbstschutz, aber auch zu den rechtlichen Optionen.


Literaturangaben

Clancy, K. B. H., Nelson, R. G., Rutherford, J. N., & Hinde, K. (2014). Survey of academic field experiences (SAFE): Trainees report harassment and assault. PLoS ONE, 9(7), Article e102172. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0102172

Cuny, C. (2021). Sexualisierte Gewalt in der Feldforschung. IfS Working Paper 15. http://www.ifs.uni-frankfurt.de/wp-content/uploads/IfS-WP-15-Cuny-1.pdf

Flores, N. M. (2020). Harassment at conferences: will #MeToo momentum translate to real change? Gender and Education, 32(1), 137–144. https://doi.org/10.1080/09540253.2019.1633462

Givens, T. E. (2019, December 15). Dealing with harassment at academic conferences: An interview with lawyer Paula Brantner. Higher Ed Connects. https://higheredconnects.com/harassment-at-academic-conferences/

Hanson, R. & Richards, P. (2019). Harassed: Gender, bodies, and ethnographic research. University of California Press.

Hodgetts, L., Supernant, K., Lyons, N., & Welch, J. R. (2020). Broadening #MeToo: Tracking dynamics in Canadian archaeology through a survey within the discipline. Canadian Journal of Archaeology, 44(1), 20–47.

Kloß, S. T. (2017). Sexual(ized) harassment and ethnographic fieldwork: A silenced aspect of social research. Ethnography, 18(3), 396–414. https://doi.org/10.1177/1466138116641958

Meyers, M. S., Horton, E. T., Boudreaux, E. A., Carmody, S. B., Wright, A. P., & Dekle, V. G. (2018). The context and consequences of sexual harassment in southeastern archaeology. Advances in Archaeological Practice, 6(4), 275–287. https://doi.org/10.1017/aap.2018.23

Mary, L., Pasquini, B. & Vandevelde, S. (2019). Le sexisme en archéologie, ça n’existe pas. Canadian Journal of Bioethics, 2(3), 215–242. https://doi.org/10.7202/1066480ar

Radde, H. D. (2018). Sexual harassment among California archaelogists: Results of the Gender Equity and Sexual Harassment Survey. California Archaeology, 10(2), 231–255. https://doi.org/10.1080/1947461X.2018.1535816

Voss, B. L. (2021). Disrupting cultures of harassment in archaeology: Social-environmental and trauma-informed approaches to disciplinary transformation. American Antiquity, 86(3), 447–464. https://doi.org/ 10.1017/aaq.2021.19


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